Biergläser

Es wird behauptet, dass die moderne Zivilisation ohne Glas undenkbar wäre. Das wird wohl so auch stimmen, wenn man bedenkt, wieviel Glas wir in unserem täglichen Leben so begegnen: Scheiben, Glühbirnen, Brillen, Flaschen, Schüsseln, Trinkgläser und eine unendliche Anzahl von Gläsern in Wissenschaft und Technik. Aber die moderne Zivilisation wäre wohl auch undenkbar ohne Bier. Und genauso gehört ein gutes Bier in ein wohl geformtes Glas!

Genauso wie ein schön angerichteter Teller den Appetit anregt, wird das Geschmackserlebnis ein völlig anderes, wenn ein Bier korrekt in das richtige Glas geschenkt wird. Glas und Bier gehören also zusammen und haben interessanterweise auch gemeinsame historische Wurzeln. Beide wurden zum Beispiel vor über 5000 Jahren in Mesopotamien erstmals produziert. Glas ist damit das älteste Kunstprodukt der Welt.

Glas besteht aus einer knapp 1500 °C warmen Schmelze aus Sand (Silizium), Soda und Kalk sowie weiteren Stoffen, die dem Glas besondere Eigenschaften verleihen. Glas ist sehr hart und normalerweise durchsichtig. Im letzten Jahrhundert vor Christus begann man dann damit, Glas mit einem Rohr zu blasen. In den Jahrhunderten darauf entstand dann im Römischen Reich die Glasblaskunst, die wir auch heute noch kennen. Erst im letzten Jahrhundert wurde Glas auch maschinell hergestellt - Flaschen kurz nach 1900, Scheibenglas etwas später und nach dem zweiten Weltkrieg auch Trinkgläser.

Wird Bier in ein Glas geschenkt, wird dessen Aroma durch die Kohlensäure freigesetzt. Die Wahl des Glases hat also großen Einfluss für die Entwicklung des Aromas. Ein enger Glasrand betont das Aroma und hält den Schaum länger. Schmale Gläser geben mehr Schaum und betonen den bitteren Geschmack auf dem hinteren Teil der Zunge. Dickes Glas gibt seine Temperatur an das Bier ab, während dünnes Glas die Temperierung des Bieres durch Halten in der Hand zulässt. Auch die Größe des Glases sollte dem Bier angemessen sein: Unfiltrierte Biere sollten nie in mehreren Zügen eingeschenkt werden, damit der Bodensatz nicht immer wieder aufgewirbelt wird.

Die Temperatur des Bieres hat eine große Bedeutung für das Trinkerlebnis. Eine angemessene Schank- und Trinktemperatur liegt hier immer ein paar Grad (ca. 2 bis 3) über dem Alkoholinhalt des Bieres in Prozent.

Wird ein Bier eingeschenkt, ist es wichtig, dass sich Schaum im Glas bildet. Manchmal ist es dafür notwendig, dass das Glas beim Einschenken ein wenig geneigt wird, damit nicht zu viel Schaum entsteht. Bei manchen Bieren kann es aber auch notwendig sein, das Bier schnell einzugießen, damit die Schaumkrone ausreichend groß wird. Als Grundregel sollte die Schaumhöhe aber nicht mehr als 2 Finger betragen... wobei Engländer diese Regel konsequent ignorieren und Schaum unter Umständen noch vom Bier herunter schaben. Für eine gute Krone ist es auch wichtig, dass das Glas sauber ist. Seifen- oder Fettreste bewirken hier, dass der Schaum schnell zerfällt und das Bier schal wird. Biergläser sind daher nur und ausschließlich in heißen Wasser zu reinigen!

Häufig wollen Brauereien, dass ihre Biere auch aus den von der Brauerei vertriebenen Gläsern getrunken werden. Diese Gläser sind in der Regel erprobt und dem jeweiligen Bier angepasst. Es gibt aber auch neutrale und "multi-funktionelle" Biergläser auf dem Markt, die ebenfalls einen gutes Geschmackserlebnis ermöglichen. Standardisierte Glastypen sind jedenfalls bei begrenztem Platzangebot für die Glassammlung im Wohnzimmerschrank eine gute Lösung. Eine dritte Möglichkeit, die doch sehr diskutiert ist, liegt in der Nutzung von Weingläsern. Es sollte dabei nicht unerwähnt bleiben, dass das Design von Brauereigläsern sich häufig auf die Wahl eines Weinglases mit aufgedrucktem Brauereilogo beschränkt.

Hohe Gläser mit weiter Öffnung
Pintglas, Pilsglas, Bourgogneglas, Champagnerglas


Diese Gläser sind eher dazu geeignet, den Durst zu stillen als das Aroma des Bieres zu unterstützen. Aber für Durst stillende Biere und bei Gerichten, die Durst machen, sind sie gut zu verwenden. Hohe Gläser schicken den Geschmack des Bieres bis tief in den Mund, was die Bitterkeit des Bieres erst verzögert zur Geltung kommen lässt. Wenn also bei obergärigen Bieren das Bittere anstelle des Aromas hervor gehoben werden soll, ist das Glas goldrichtig.




Hohe schlanke Gläser mit enger Öffnung
Weizenbierglas, Pilspokal, Bordeauxglas


Das Weizenbierglas ist hoch, geschwungen und hat viel Volumen im oberen Teil. Es eignet sich für eine ausgeprägte Schaumkrone, die Weizenbieren so typisch ist. Der Pilspokal ist geräumig und hat einen kräftigen Stiel. Er wird am oberen Ende etwas enger, was auch hier die Bildung einer Schaumkrone fördert. Der verjüngte Rand bewirkt auch eine Konzentration des Aromas. Auch diese hohen Gläser tragen die Bitterkeit des Bieres bis in die letzten Mundhöhlen. Beide Glastypen lassen sich gut für Durst stillende Biere verwenden, wenn gleichzeitig das Aroma hervorgehoben werden soll.






Niedrige bauchige Gläser mit weiter Öffnung
Bierpokal, Trappistglas, Weißweinglas


Der Bierpokal ist besonders für starke Biere wie Ales oder Abteibiere mit kräfigem Aroma geeignet, das durch die weite Öffnung hervorgehoben wird. Niedrige Gläser mit großer Oberfläche lassen das Bier natürlicher über die Zunge fließen, wodurch alle Geschmacksnerven stimuliert werden. Die Glastypen sind für vollaromatische Biersorten zu bevorzugen, wenn das kräftige Aroma eventuell auch ein wenig geschwächt werden darf.





Niedrige bauchige Gläser mit enger Öffnung
Bierschwenker, Biertulpe, Cognacglas


Hol das beste aus aromatischen, hochprozentigen und fülligen Bieren mit diesen Gläsern raus. Sie platzieren das Bier im vorderen Bereich des Mundes, wo man süß, salzig und sauer schmeckt. Die geschlossene Öffnung hält das Aroma fest und die Form macht es leicht, das Bier zu schwenken, wodurch noch mehr Aromastoffe freigesetzt werden. Dieser Biertyp hebt die Komplexität vollaromatischer Biere hervor.





Das richtige Glas für Fassbier zu finden, unterliegt im Prinzip den gleichen Regeln wie bei Flaschenbier. Es kommen aber noch Faktoren wie Schankmethode oder Zapfanlage hinzu, die die Wahl etwas unübersichtlicher machen. Vielleicht gibt es über dieses spezielle Thema dann irgendwann mal einen weiteren Blog...